Berichtet wird im Internet viel, erzählt auch! Doch welche Ressource zunehmend knapper wird, ist die Zeit, mit der man Informationen überprüfen kann. Wie wäre es also, wenn man direkt an die Quelle geht und einen intimen Kenner der US-Marketing-Branche anzapft? Genau das habe ich getan, denn ich wollte so einiges wissen:

Wie läuft das wirklich bei den Ami´s? Ist es berechtigt, dass einige von ihnen auf einen „Guru“ Sockel gehoben werden, und wenn ja, was sind deren wirkliche Verdienste? Und überhaupt: Was unterscheidet den US-Markt vom deutschen Markt? Gibt es gemeinsame Nenner oder grundsätzliche Verwerfungen?

Und wie kann ich als deutscher Online-Unternehmer das Beste aus den amerikanischen Trends herausholen und mir im optimalen Fall einen Wettbewerbsvorsprung schaffen?! All diese Fragen und noch mehr habe ich einem Kenner der US-Branche gestellt, welcher jahrelang tiefen Einblick in die Szene hatte und nun in den folgenden Zeilen ausführlich aus dem berühmten Nähkästchen plaudert.

Im Interview mit Norman Janssen von Mediacode.de über den US-Markt & mehr

Tobias KnoofTobias: Hallo Norman, schön das du dir die Zeit nimmst für ein Interview! In den USA bist du seit Jahren als feste Größe oben dabei und kennst praktisch die US-Marketing-Szene und Ihre Stellvertreter wie Mike Filesaime, Frank Kern oder Rich Schefren in- und auswendig. Hierzulande bist du erst einer kleinen Gruppe als Experte im Marketing-Business bekannt, Für unsere deutschen Leser stelle dich doch bitte noch einmal kurz vor…

Norman JanssenNorman: Ich freue mich, endlich „zuhause“ aktiv zu werden. Und wir kennen uns ja schon ziemlich lange. Ich glaube, seit 2008? Super, dass das Interview jetzt zustande kommt! Zunächst einmal will ich klarstellen, dass ich persönlich die von dir erwähnten “Gurus” eher als Teil der „Direkt-Marketing-Szene“ bezeichnen würde und nicht als „Marketing-Profis“ im eigentlichen (und umfassenderen) Sinne.

Ich selbst habe einen Agentur- und Consulting-Hintergrund im Online-Marketing. Vor 13 Jahren habe ich als Leiter des Bereiches „trafficmaxx“ der construktiv GmbH Consulting für grosse Firmen geplant und durchgeführt. Wir waren damals eine der ersten Agenturen, die „Suchmaschinenoptimierung“ angeboten haben. Das waren die einzigen 2 Jahre als Angestellter in meinem Leben.

„Kurz darauf habe ich mediacode gegründet und zunächst selbständig weiter grosse Kunden wie Bayer Schering, RedBull, diverse Agenturen etc. in den Bereichen SEO & PPC betreut. Social Media gab es damals ja noch gar nicht.“

Ungefähr 2005 habe ich angefangen, die wirksamsten Online-Marketing Konzepte in Software-Lösungen umzusetzen. Zunächst noch selbst programmiert und als Plugins für das CMS „Joomla“ verkauft und kurz darauf mit dem ersten Programmierer im Team. Heute geht es bei mediacode in allem was wir tun darum, unseren Kunden Software und Training an die Hand zu geben, um die Abläufe und Prozesse Ihrer eigenen Online-Unternehmungen zu vereinfachen und Ihre Zeit sinnvoller zu einzusetzen.

Nochmal zur USA:  Ich war zum Jahreswechsel 2005/2006 in China und habe an der Guangdong University of Technology eine Vorlesung gehalten. Eines Abends habe ich dort einfach mal nach „Internet Marketing” gegooglet und fand US „Gurus“ wie Mike Filsaime, Frank Kern, etc. Ich dachte mir, „Das guck ich mir mal an!“, und bin Ende 2006 in die USA gereist, um mir die dortige „Info-Marketing“ Branche genauer anzusehen.

Ich habe den ganzen hype-artigen Marketing-Methoden nicht über den Weg getraut – und den Behauptungen über die grossen Reichtümer der „Gurus“ erst recht nicht. Inzwischen kenne ich die Leute quasi alle persönlich. Und das nicht von Seminaren auf denen ich Fotos mit Ihnen gemacht habe, sondern von privaten Masterminds oder Treffen bei denen zuhause.

Das kam zustande, weil fast alle aus den USA bekanten Namen in der Info- und Direktmarketing-Szene das ein oder andere Software Produkt von mir in der Vergangenheit erfolgreich eingesetzt haben. Das sind zum Beispiel Russell Brunson, Mike Filsaime, Frank Kern, Mike Koenigs, Anthony Robbins, Mark Joyner, usw usw… Die fingen dann an, diese Produkte für uns zu promoten und schon kam „der Ball ins rollen“ und ich war irgendwie mittendrin in dieser Szene. Später habe ich dann Technologie an ein paar der Leute lizenziert und bin nur noch im Hintergrund aufgetreten.

Tobias KnoofTobias: Sehr interessant! Da möchte ich dir gleich eine weitere Frage stellen, die auch für viele Leser spannend sein dürfte: Wie würdest du heute die beiden Marketing-Märkte „DE/US“ aus deiner Sicht vergleichen und was wird in Zukunft in beiden Märkten passieren?

Norman JanssenNorman: Ich möchte an dieser Stelle eindeutig unterscheinden zwischen der „Wie verdiene ich Geld online“-Szene und der „Online Marketing um mein nützliches Produkt an mehr Menschen heranzutragen“-Szene. Oft wird beides in einen Topf geschmissen und hier wie dort als „Internet Marketing“ zusammengefasst – meiner Ansicht nach völlig zu unrecht, da die erste Gruppe diesen Begriff über die Jahre ziemlich vergiftet hat – und das ist in beiden Ländern so.

Über die „Geld verdienen online“ Szene will ich hier nicht viel sagen, weil ich mich davon fern halte. Ich habe, besonders in den USA, wirklich direkte Einsicht in die Dynamik der „Get Rich Quick“ Gurus und sehe, dass sie mehr und mehr ernsthafte Probleme bekommen mit den dortigen Behörden wegen Massenbeschwerden von Kunden und die „Refund“ Raten gehen unglaublich hoch.

„Teilweise bis zu 50% – was hier in Deutschland in der Szene ja teilweise nicht viel anders sein soll. Und das ist auch gut so!“

Tobias KnoofTobias: Ja, das ist leider in der Tat so! Ich hatte selbst schon vor knapp 2 Jahren auf diese Fehlentwicklung hingewiesen. Ich nenne diese Leute gern „Massenmailer“ oder „Launchhopper“. Es ist aus einer Vielzahl von Gründen äußerst schädlich für die gesamte Entwicklung des Internets und der Marketingbranche, auf diese Weise Projekte zu betreiben. Aber woran liegt das, deiner Meinung nach?

Norman JanssenNorman: Nun, das ist ganz einfach: Wenn dem Kunden ein Produkt nicht gefällt oder es nicht hält was der Verkäufer verspricht, schickt er es zurück. Es scheint mit der Qualität der Produkte zu tun zu haben… Und Kunden werden immer informierter und tauschen sich online über etliche Kanäle aus. Das ist etwas Gutes!

Es ist ganz einfach: ein schlechtes oder auch ein mittelmässiges Produkt kannst du an deine Kunden vielleicht ein, zwei mal verkaufen. Dann wird derjenige sich einen anderen Anbieter suchen. Auch meine Produkte wurden teilweise von Anbietern der „Geld verdienen Online“ Kreise promotet. Allerdings habe ich nie „wie werde ich Reich“ Produkte verkauft, sondern Software und gelegentlich Info-Produkte zu Marketing Themen, die allerdings immer umfangreich und gut recherchiert waren, deswegen hatte ich nie diese Probleme.

Wer ein echtes Online Business anfangen will, muss sich klar sein, dass es einer langfristigen Strategie und einer sportlichen Einstellung zum „Unternehmer sein“ bedarf. Auch wenn die meisten das nicht hören wollen.“

Ein Online-Business ist immer noch ein „Business“ – vor dem Staat und dem Finanzamt ein Unternehmen wie jedes andere auch. Das wird in der schönen Welt der Online-Promotions oft verdrängt. Was wird also in der Info-Marketing Branche passieren? Der Markt für “Online-Lernen” an sich wird weiter wachsen – keine Frage. Dazu gibt es etliche Studien und das ist auch schon kein Geheimtipp mehr. Alle Universitäten der Welt stellen sich gerade darauf ein und bieten Online-Einschreibungen und Fern-Kurse an. Das wird noch mehr werden.

Damit einher geht natürlich, dass die Gesellschaft generell mehr und mehr Akzeptanz für Online-Lernen haben wird. Ich sehe das jetzt schon in Grundschulen: Meine Tochter wird bald eingeschult und wir haben uns ein paar Schulen angesehen. Eine Leiterin davon hat ganz deutlich betont, dass Ihnen bewusst ist, das sich das Lernen verändert und dass sie es nicht mehr als Ihre Aufgabe sehen, den Kindern alles beizubringen, sondern Ihnen vermitteln werden, mit dem Zugang zu Information verantwortungsvoll umzugehen.

Ich fand das ziemlich bezeichnend – und lobenswert. Generell wird es natürlich zusammen mit dem „online Lernen“ immer weiter in Richtung digitalen Konsum gehen. Grosse Lernplatformen wie Udemy werden mit viel Geld unterstützt und wachsen explosionsartig. Ein bisschen ist es so als wäre das, was “Info-Marketer” schon seit Jahren wissen jetzt in der breiten Masse angekommen und findet mehr und mehr Akzeptanz.

„Menschen sind bereit, online Geld für Informationen auszugeben. Ich denke, die Umsätze im Info-Marketing stehen erst am Anfang.“

Wir bei mediacode bereiten uns darauf vor und entwickeln Software Platformen, die den gesamten Prozess zum veröffentlichen von Informationen im Internet drastisch vereinfacht – ob man nun kostenlose oder Informationen zum Kauf anbieten will. Doch wie erwähnt denke ich, dass das nur ein Teil der Gleichung ist. Man muss gute Informationen anbieten, diese gut strukturieren und dann natürlich gutes Marketing machen.

Tobias KnoofTobias: Ich habe dazu vor kurzem das neue Buch von Google CEO Eric Schmidt gelesen. Für die Zukunft gibt es keinen Zweifel, dass alles immer digitaler wird. Und somit sind wir zwangsläufig bei Software und Algorithmen. Gibt es in der Softwarebranche bereits spezielle Trends? Wie sind da deine Beobachtungen?

Norman JanssenNorman: Man muss unterscheiden zwischen Trend im Sinne von „in Mode“ oder im Sinne von „eine Entwicklung, die jeden betrifft“. Da wir im allgemeinen eher kleine und mittelständische Unternehmer als Kunden haben, sind die „Milliarden-Dollar“ Themen für uns einfach nicht relevant. So muss man immer genau aufpassen, auf welche Trends man hört und welche man besser (bewusst) ignoriert.

Ich glaube, der allerwichtigste Trend im Sinne von „so wird es werden“ ist, dass die Menschen Technologie weniger wahrnehmen wollen. Ich beobachte die Menschen um mich herum immer sehr genau und bemerke mehr und mehr eine Frustration über Technologie. In sofern sind Firmen die sich mit alternativen Interfaces beschäftigen sicher auf dem richtigen Weg.

„Ich denke da an Google Glass oder Apple’s Watch, die kommen soll. Genauso wie Sprachsteuerung in verschiedensten Umgebungen.“

Für uns und unsere Produkte bedeutet das: Unsere Software muss intuitiver werden und fast schon „spielerisch“ zu bedienen sein. Ausserdem müssen unsere Seminare und Online-Kurse Spass machen. Jeden Tag ist es unser Ziel, die „Darbietung“ unserer Inhalte zu verbessern. Meine Einstellung ist: Wenn der Kunde etwas nicht versteht oder nicht bedienen kann, ist das unsere Schuld! Da müssen WIR etwas verbessern. Deswegen spielt Kommunikation mit dem Kunden für uns auch so eine grosse Rolle.

Als Kunde von mediacode ist die Chance ziemlich hoch, dass Sie früher oder später auch einmal persönlich mit mir emailen oder telefonieren. Bei inzwischen mehreren tausend Kunden ist das manchmal eine ganz schöne Herausforderung! :o) Mir ist der persönliche Kontakt sehr wichtig. Der ECHTE Kontakt zu Menschen. Deswegen bin ich auch soviel in direkten Coachings mit den Kunden, mache regelmässig LIVE Webinare mit offenen Fragerunden und organisiere Live-Treffen mit meinen Kunden.

Es macht mir einfach Spass, mit meinen Kunden zu kommunizieren – idealerweise Angesicht zu Angesicht. Technologien wie Google Hangouts und Webinare mit live-Übertragung sind toll, aber sie ersetzen ein persönliches Gespräch nicht. Ich glaube, wir sind mit Technologie an einem Punkt, an dem Menschen anfangen zu verstehen, dass Technologie an sich nicht die „Erlösung“ ist, sondern nur sinnvoll und massvoll an bestimmten stellen eingesetzt werden sollte.

Wir setzen da bei mediacode zusammen mit unseren Kunden in unseren Produkten immer auf eine Kombination aus Software Lösung mit persönlichen Mentoring/Coaching oder zumindest direktem persönlichen Kontakt per Webinar. Bei PROMETHEUS (momentan nur in den USA angeboten) haben wir zum Beispiel schon immer die Software in Kombination mit wöchentlichen Live-Trainings angeboten.

Tobias KnoofTobias: Du hast gerade dein Projekt „Prometheus“ angesprochen. Einige Einblicke konnte ich ja selber schon genießen. Die Klarheit, Aufgeräumtheit, das Design und die Usability finde ich absolut fantastisch! Keine „Featureritis“ oder Überfrachtung, sondern alles am richtigen Fleck. Erzähle doch mal etwas aus dem Nähkästchen, wie sieht ein typischer Entwicklungstag bei euch aus?

Norman JanssenNorman: Wir arbeiten jeden Tag nach einen Motto und ein paar Regeln, die sich über die Jahre behaupten konnten und ich gerade in einem Konzept zusammengefasst habe, dass wir das „Matroschka Prinzip“ nennen. Ich schreibe gerade ein Buch dazu. Für mich geht es wie gesagt immer darum, das Wichtigste zuerst zu tun und so schnell wie möglich echtes Feedback von echten Usern zu bekommen.

Früher haben wir viele Features entwickelt, die nachher gar nicht wirklich benutzt wurden – nur weil wir glaubten, zu wissen, was die Kunden wollen. Inzwischen haben wir gelernt und es geht uns darum, das Wichtigste schnell auf solide Beine zu stellen, Feedback zu bekommen und dann die Dinge zu verbessern. Im Bereich Info-Marketing bedeutet das zum Beispiel, sich keine Gedanken über Facebook Ads, Upsells und Email Follow-Up Marketing zu machen, wenn man noch nichtmal seine Website online hat oder sein Produkt strukturiert hat.

„Ich glaube, ein grosser Teil des Problems ist, dass man in der Anfangsphase als Unternehmer – und nicht nur online – immer einer riesigen Menge von (Fehl-)Informationen ausgesetzt ist und dadurch immer mehr verwirrt wird, anstatt einfach ein klares Ziel zu verfolgen.“

Man ist oft erstmal begeistert und will soviel wie möglich auf einmal lernen. Das ist aber der falsche Weg. Mir ist das genauso passiert. Ich habe das Dilemma mit einem Mentor gelöst, der für mich als „Kontrolleur“ funktioniert und mich immer wieder über meinen Fortschritt und meine Ziele befragt. Das ist ganz einfach für jedermann zu installieren. Das kann ein Freund sein oder sogar der eigene Partner.

Zur Software: Ich glaube einfach daran, dass man es dem Benutzer IMMER so einfach wie möglich machen muss. Software muss einfach zu bedienen sein und dennoch für diejenigen, die sich weiter damit beschäftigen wollen, die Möglichkeiten bieten, in gewissem Mass individuelle Anpassungen umzusetzen. Genau das haben wir bei PROMETHEUS versucht.

Jedermann soll seine eigene, gutaussehende Verkaufs-Webseite in Minuten erstellen können und sich in der Administrationsoberfläche jederzeit intuitiv zurechtfinden. Wer “mal eben” eine neue Optin-Page ausprobieren will, soll dafür nicht mehr als ein paar Minuten aufbringen müssen. In der Software-Bedienung arbeiten wir also ständig daran, uns zu verbessern.

Zudem haben sich in Bezug auf unsere Arbeit allgemein ein paar wenige Fragen herauskristallisiert, die man sich in jeder Situation stellen kann und die einen schnell und direkt wieder zum Wesentlichen führen:

  1. Was ist das absolut minimal Nötigste in dieser Situation? Damit fagen wir an. Wir gehen davon aus, dass wir niemals alles umsetzen können, was uns einfällt – und das auch nicht sollten! Deshalb hilft uns diese erste Regel bei der Entscheidungsfindung – und danach helfen uns unsere Kunden mit ihrem Feedback.
  2. Was ist die grosse Vision? Der Businessplan sozusagen, nur nicht so langweilig. Dieses grosse Ziel dient immer wieder als Schablone, die man auf aktuelle Trends und Tricks und die neusten Meldungen anwenden kann um zu sehen, ob diese Informationen überhaupt zum eigenen Ziel „passen“. Falls nicht, sollte man ggf. lieber die Scheuklappen aufsetzen und erstmal tun, was zu tun ist.
  3. Was wollen wir nicht tun? Sehr wichtig, denn es hält oft davon ab, bestimmte Promotion-Emails überhaupt zu Ende zu lesen. Man hat immer vor Augen, welche Themen gerade NICHT zielführend sind. In den Programmen, die wir sehr bald auch in Deutschland anbieten, werden wir die Matroschka-Prinzip-Philosophie und den „Getting the basics right first!“-Ansatz kombinieren, um optimale Resultate für unsere Kunden zu generieren.

Tobias KnoofTobias: Sehr spannend, da schein einiges auf uns zuzukommen :-) Verrate uns doch noch, wie der weitere Ausblick von Prometheus aussieht. Wird es ein „Wegwerfprodukt“ wie so viele andere in der Szene, welches nach einem Massenmailing-Launch schlichtweg verbrannt ist? Und überhaupt: unterscheiden sich da DE & US Markt noch oder ist das „viel hilft viel“ ein globales Phänomen?

Norman JanssenNorman: Über diesen Punkt können wir uns sicher Stunden unterhalten! Wir können übrigens auch gern einmal ein Webinar zusammen machen und ich kann mehr Geschichten und Erfahrungen erzählen. Zur Frage: Zunächst einmal wird es keinen „Launch“ im klassischen Sinne geben. Somit habe ich auch nicht die Ambition alles „schnell schnell“ zu machen. Das weisst du aber ja selber auch am besten: Deine Produkte hast du immer sehr gut ausgearbeitet bevor du sie verkauft hast – so ist es bei uns auch.

PROMETHEUS wird ein Service, der aus mehreren Teilen besteht. Zunächst ist da die Software, die, abgesehen von einem Email-Autoresponder, alles bietet, was man zur Erstellung einer Verkaufswebseite braucht. Das geht vom Hosting über das Design, ein Affiliate Programm, Bestellformular und Membership-Bereich sowie fertige Designs für alle Arten von Seiten, die man braucht. Alles unter einem Dach. Wir erstellen unsere eigenen Websites auch auf diesem System – so wie tausende Kunden in den USA.

„Wir haben in der Vergangenheit sicher stellen können, dass JEDER neue Kunde innerhalb der ersten 45 Minuten nach der Anmeldung schon eine einfache Website online hat und die grundsätzliche Technik versteht.“

Weil wir aus der Erfahrung wissen, dass die Technologie allein noch kein erfolgreiches Online-Business macht, haben wir verschiedene Online-Seminare erstellt, in denen alle wichtigen Themen erklärt werden und auf die man immer wieder zurückgreifen kann. Und dann kommt mein Lieblings-Element: Wir haben ein 30-Tage “Kickstart” Coaching mit klaren To-Do-Listen und “Hausaufgaben”, die sicherstellen, dass JEDER nach 30 tagen seine Webseiten online hat und mit dem Verkauf von Online-Produkten beginnen kann.

Dazu gibt es jede Woche Live Webinare, bei denen alle Fragen geklärt werden können und man sicherstellen kann, dass man auch wirklich “durchzieht” und am Ball bleibt. Wer dann noch Fragen an mich direkt hat, kann ein persönliches Telefonat mit mir vereinbaren. :) Ich habe das jetzt einmal so deutlich ausgeführt, weil ich betonen möchte, dass wir NICHT auf ein kurzlebiges Produkt aus sind und unser Fokus auf Langfristigkeit liegt.

Klar, ein punktgenauer Launch kann ein gutes Instrument sein und ist an sich nichts Schlechtes. Es kann zwar zum Problem werden, wenn dadurch schlechte Produkte in den Markt ge“drückt“ werden. Wie schon erwähnt mache ich mir da aber nicht so viel Sorgen, sondern ignoriere das grösstenteils, weil ich daran glaube, dass sich der Markt in dieser Beziehung selbst bereinigen wird.

Es gibt dazu ein tolles Video von Google, wo die Veränderung des Kaufentscheid-Prozesses eines Kunden in den letzten Jahren sehr schön dargestellt wird. Es geht einfach gesagt darum, dass in der Vergangenheit eine Kaufentscheidung oft nur auf der Anbieter-Website getroffen wurde. Das hat sich grundlegend verändert.

Ein Verkäufer kann den Kunden heute kaum noch vom ersten Besuch der Verkaufswebsite bis zur Kaufentscheidung auf der eigenen Seite halten, sondern der Kunde geht zwischendurch nochmal eben zu Amazon und liest sich Bewertungen durch, googlet vielleicht den Produktnamen oder sieht sich die Hauptwebsite der Anbieterfirma an. Erst danach kommt er zurück zur Verkaufswebsite und kauft – wenn alles andere Vertrauen aufgebaut hat – oder eben nicht. Auch dieser Prozess – hin zum „Aufgeklärten Kunden“ – trägt zur Bereinigung des Marktes von schlechten Produkten und Anbietern bei. Und das sollte natürlich Auswirkungen auf den eigenen Business-Plan haben!

„Es hat also grosse Bedeutung, eine „Unternehmens-Identität“ aufzubauen, bei kleinen Online-Unternehmen also eine zentrale Anlaufstelle, wie bei dir zum Beispiel Digitale-Infoprodukte.de mit Blog und generellen Informationen über dich und deine Firma.“

Da ist es natürlich wenig sinnvoll, andauernd unzusamenhängende Produkte mit ständig wechselnder visueller Darstellung zu „launchen“ und diese dann vor allem nicht weiter im Programm zu lassen. Das ist noch aus einem anderen Grund überhaupt nicht sinnvoll: Man hat die ganze Arbeit in das Projekt gesteckt, nur um es ein einziges Mal anzubieten, vielleicht während eines Launches? Das macht doch gar keinen Sinn!

Da erstelle ich doch lieber immer wieder Produkte, die in mein Portfolio passen und die ich für immer weiter verkaufen kann. Bei denen man immer erkennt, dass es Produkte von mir sind. So stärkt jedes einzelne Produkt das gesamte Unternehmen. Ansonsten verschwendet man sehr viel Energie, die dann nicht wieder zurück ins Unternehmen fliesst.

Diese Dynamik ist ein zentraler Gedanke beim „Matroschka-Prinzip“. Dein Portfolio ist da ein positives Beispiel: Wenn du einen Kunden mit TrafficPrisma überzeugt hast, was denkst du zu wem er geht wenn er dann Infos zu „Mobile Traffic“ sucht? Zudem fühlt sich der Kunde gleich „zuhause“, weil dein Produktdesign immer ähnlich ist.

„Es ist im Grunde doch ganz einfach: Erstelle ein gutes Produkt und behandle deine Kunden so, wie du auch behandelt werden willst.“

Viel komplizierter sollte man darüber gar nicht denken. Dann muss man sich nur noch „mal schnell“ um die technische Seite kümmern – Also Website, Kunden-Login, Produktauslieferung, Bezahlfunktion etc. online aufsetzen. Aber das ist heute wirklich einfach geworden und geht z.B. mit unserer PROMETHEUS Plattform so einfach, dass es wirklich jeder kann.

Tobias KnoofTobias: Wahre Worte, die manche nicht hören wollen (können). Noch eine letzte Frage, ein Blick in die Glaskugel: In welche Richtung und mit welchen Technologien wird sich die Internetgesellschaft mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren entwickeln? Was zeichnet sich am Horizont ab, was kann man jetzt schon erkennen? Und wie könnte sich ein smarter deutscher Online-Unternehmer darauf vorbereiten?

Norman JanssenNorman: Ich denke, es steht schon heute alle Technologie bereit, um technisch einfach ein Online Business an den Start zu bringen. Bis vor kurzen brauchte man dafür noch einen Webmaster oder musste sich selbst HTML, FTP, PHP usw. beibringen. Die Zeiten sind vorbei. Es wird immer wieder neue Marketing-Methoden geben, die man nutzen kann, wenn man die Grundlagen des eigenen Online-Geschäfts solide aufgestellt hat – und nicht früher.

Gott sei Dank braucht man dafür heute nur noch einen Bruchteil der Zeit, die es noch vor 5 Jahren gekostet hat. Das Problem ist eher, zu wissen WANN was ansteht! Viel mehr als auf die neuesten und besten Technologien sollte man vor allem darauf achten, das man sich nicht von zu viel Information überwältigen lässt. Hier helfen Mentoren, Partner und ein guter Plan sowie ggf. eine „Mastermind Gruppe“ zum Austausch.

Jeder Unternehmer den ich kenne hat dieses Problem. Und alle sind sie froh über den Austausch mit anderen Unternehmern. Generell glaube ich, dass es immer wieder neue Technologien in der Bezahlprozess-Abwicklung geben wird und sich Software – auch unsere – ständig weiterentwickeln wird. Hin zu mehr Benutzerfreundlichkeit.

„Es führen heute ausserdem viele viele Wege nach Rom (zum Kunden), deswegen muss man sich immer wieder erinnern, dass man einfach nicht alle neusten Informationen und Technologien braucht bzw. sofort lernen muss.“

Ein neues Anzeigensystem zu verstehen, wie zum Beispiel Facebook-Anzeigen, Banner-Retargeting usw. kostet heute auch nicht mehr viel Zeit, also kann man diese Informationen getrost an sich vorbeiziehen lassen, bis die Massnahme wirklich ansteht. Das ist alles schön und gut und wenn man erstmal ein Produkt, eine Website und ein paar Zahlen gesammelt hat, kann man sich auch mit all dem Beschäftigen. Ich wiederhole es aber noch einmal: Get the basics right first! Immer ein Schritt nach dem anderen. Und am Ende kommt es nur auf folgendes an:

  1. Qualitativ hochwertige, eigene Produkte sowie
  2. Die Zufriendenheit der eigenen Kunden!

Tobias KnoofTobias: Herzlichen Dank für das spannende Interview und den Einblick in den US-Markt lieber Norman! Es sei noch angemerkt, dass wir beide ja demnächst ein Webinar zusammen geben, bei welchem wir sicher noch etwas tiefer aus den „Inner Circles“ der US/DE Märkte plaudern werden! Bei einigen Informationen dürften die Teilnehmer mit Sicherheit große Augen machen, ich freue mich schon sehr darauf :-) Dir bei deinen Projekten weiterhin alles Gute und viel Erfolg im Internet!

Norman JanssenNorman: Ich danke DIR und freue mich, dich bald wieder zu treffen. Alles Gute an dich und deine Leser!